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5/15/2010
Europabrücke: Krisenplanung läuft
Stadt Koblenz kommt an millionenschwerer Sicherungsmaßnahme im Sommer nicht vorbei – Zwei Spuren gesperrt
Die Serie der schlechten Nachrichten von der Europabrücke reißt nicht ab: War zuletzt bereits klar, dass der Schwerlastverkehr mit wenigen Ausnahmen verbannt werden muss, zeigt sich jetzt, dass es damit bei Weitem nicht getan ist. Und der Stadt läuft die Zeit davon.
KOBLENZ. In der Koblenzer Bauverwaltung reiht sich derzeit Krisensitzung an Krisensitzung: Noch im Sommer muss die Stadt auf der Europabrücke mit einer millionenschweren Sicherungsmaßnahme beginnen. „Gelingt das nicht, so haben wir ein echtes Problem“, ist Peter Schwarz, Abteilungsleiter Bau im Tiefbauamt, überzeugt. Ein vergleichbarer Winter wie der jüngste könnte der Brücke aus Sicht des Experten den Rest geben. Schäden wären zu erwarten, die durchaus eine Sperrung im kommenden Jahr nach sich ziehen könnten. „Das wäre der GAU“, betont der Brückenexperte. Und den gilt es aus Sicht der Stadt unbedingt zu vermeiden.
Doch das erweist sich als große Herausforderung. Sorgenkind ist – wie zuletzt regelmäßig – die Brückenseite, die stadteinwärts führt. Zuletzt hatte die Stadt wegen einer deutlichen Verschlechterung der Situation, auch wegen des Winters, der Kälte und des aggressiven Tausalzes, eine Sperrung der Brücke für den Schwerlastverkehr angekündigt. Neue Erkenntnisse aber zeigen, dass das nicht ausreichen wird.
Die Zeit läuft davon
Und die notwendigen Arbeiten werden gravierende Auswirkungen auf den übrigen, leichteren Verkehr haben. Zwei von vier Spuren werden jeweils gleichzeitig wegfallen – für einige Monate. Die Verwaltung wird dabei auch auf Hauptverkehrszeiten keine Rücksicht nehmen können. Die Zeit, so Schwarz, läuft davon – und selbst bei einem Baubeginn noch im Sommer werden sich die Arbeiten nach Schwarz‘ Einschätzung bis ins kommende Jahr hinziehen. „Wir bereiten uns auf eine Winterbaustelle vor.“ Mögliche Überdachung per Zelt eingeschlossen.
Ob der Baubeginn im Sommer überhaupt zu bewerkstelligen ist, dahinter stehen noch viele große Fragezeichen. Die Finanzierung ist gänzlich ungeklärt – und es geht in jedem Fall um Millionen Euro, wie der Brückenexperte berichtet. Angesichts der Tatsache, dass sich bereits die Genehmigung des städtischen Haushalts erneut zur Hängepartie entwickelt, werde es nicht leicht, die nötigen Mittel unterzubringen.
Doch auch mit einer geklärten Finanzierung bleibt die Herkules-Aufgabe, die umfangreiche Planung in kürzester Zeit zu bewerkstelligen. Schwarz: „Wir arbeiten auf Hochtouren daran, mit Mann und Maus.“
Und das keineswegs nur für den motorisierten Verkehr: Eine Überquerungsmöglichkeit der Mosel für Fußgänger und Radfahrer ist der Verwaltung sehr wichtig. Gesperrt ist der Radweg auf der stadteinwärts führenden Seite derzeit, weil an einem Auflagepunkt der Beton so geschädigt ist, dass aus Sicht der Stadt eine erhebliche Gefahr besteht, wie Baudezernent Martin Prümm auch bereits auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Stadtrat hin mitgeteilt hat. „Einstürzen und runterfallen kann der Weg nicht“, so Schwarz. Aber: Er könnte unter dem Eigengewicht wegknicken, wenn keine Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden. Menschen, die sich dann auf dem Weg befinden, könnten abstürzen. Aus Sicht der Stadt ein zu großes Risiko.
Gasse für Fußgänger?
Allerdings laufen jetzt die Überlegungen, wie man die anstehenden Arbeiten ab Sommer zumindest für etwas Gutes nutzen kann: Möglich wäre es dann nämlich, Fußgänger auf einer schmalen Gasse geschützt an der Baustelle entlang über die Brücke passieren zu lassen. Die Planung wird dazu Näheres bringen – aber nicht vor Sommer.
Verkehr früh umleiten
Für den Schwerlastverkehr wird es auf jeden Fall schon früher ernst: Die grundsätzliche Sperrung für Fahrzeuge mit einem Gewicht über 3,5 Tonnen ist aus Schwarz‘ Sicht unumgänglich und wird bald in Kraft treten. Ausgenommen sind Linienbusse mit Ausnahmegenehmigung (allerdings keine Gelenkbusse) sowie Rettungsfahrzeuge. Die übrigen sollen bereits in einem großen Radius um Koblenz auf Ausweichstrecken hingewiesen werden. Und auch für den Pkw-Verkehr, so Schwarz, wird man sich Entlastungsmöglichkeiten während der Baumaßnahme im Sommer dringend überlegen müssen.
Ingo Schneider
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